Kreishaus

Grafschaft Bentheim

THOMAS KRIEGISCH zur Ausstellung von Monika Ratering

             "Muttertal"    

 

 

NORDHORN - Ein starkes Stück Kunst paräsentiert die 1959 in Nordhorn geborene und seit 1991 in Berlin lebende Künstlerin Monika Ratering mit ihrer ersten Ausstellung in der Heimatstadt. Unter dem beziehungsreichen Titel "Muttertal" zeigt sie (...) faszinierende Malereien. Monika Ratering gibt dem Betrachter mit ihren poetischen und atmosphärisch dichten Bildern über die Natur und ihre Phänomene eine in der zeitgenössischen Malerei oftmals verloren geglaubte Anmut, narrative Kraft und ästhetische Qualität zurück. Sie fragt in ihren groß- wie kleinformatigen Bildwelten über Berge, Wasser, Ostseeküste, Luft oder Seerosen nach dem heutigen Verhältnis von Mensch und Natur- und kommt damit einer zunehmenden Sehnsucht nach intakter Landschaft jenseits von Zivilisation nahe, in der sich der Wunsch nach Geborgenheit und einem Gefühl von Heimat, eben nach einem "Muttertal", spiegelt.


Diese, von zivilisatorischer Bedrohung unberührten Bildlandschaften sind Orte, an denen der Betrachter gerne wäre. Und dennoch sind Monika Raterings stark vom Gegenstand gelösten Ideen über Natur in Acryl und Ölfarbe keine idealisierenden Klischees oder schiere Fluchtpunkte 

vor einer vornehmlich umweltzer-störenden Realität. Das "Muttertal"

wird von Monika Ratering nicht näher geschildert. Ihre Bergwelten geben den Blick auf kein Tal friedvoller Harmonie und rücksichtsvoller Eintracht zwischen Mensch und Natur frei; der Betrachter muss sich seine Heimat-Täler im einladenden Mikrokosmos dieser freundlichen Bildwelten hinter den Bergen selbst assoziativ erwandern. Gerne geht das Auge darauf ein und lässt in den Projektionsräumen der Malerei die eigenen Wunschbilder von Landschaft erwachsen, wobei ihm Monika Raterings abstrakte Ästhetisierung offensichtlich bleibt und somit immer Anlass zur Reflexion über eine eher ernüchternde Wirklichkeit gibt.

 

Mit ihren dynamischen, im Bildgefüge locker vernetzten, stets in verschiedensten Nuancen Bewegung vermittelnden Kompositionen und ihrer anspruchsvollen Farbauswahl vermittelt Monika Ratering im Zusammenspiel mit der Poesie ihrer Bildtitel und ihrer traumhaften Inhalte eine fesselnde Aura von Heiterkeit, Fröhlichkeit und luftiger Leichtigkeit.


Ihre oft auf nur wenige Qualitäten reduzierte Farbpalette und das ebenso zurückgenommene Maß der Formen und Bildelemente aus

teilweise nur wenigen Pinselstrichen, die sich wie Metaphern oder geheimnisvolle Schriftzeichen zu

bildnerischen Satzgefügen finden, schaffen Rhythmus und überschaubare Ordnungen, aus denen der Betrachter mosaikartig seine Gesamtlandschaften erschließen kann. Die vitale Farbigkeit pendelt zwischen kräftigen Qualitäten über zarte Klänge hin zu einer distanzierten Kühle. Hier wechseln die visuellen Eindrücke von Feuerwerken pulsierender Farbigkeit zu einer nahezu meditativen Transzendenz. Der Duktus schwingt dabei den Stimmungen nach, mal dynamisch und expressiv oder als fast zeichenhafte Geste. 

Monika Ratering steht mit ihrer überzeugenden Formensprache und ästhetischen Sicht auf die Welt in der großen Tradition der Landschaftsmalerei für eine zeitgemäße Form. Sie gehört zu jenen Künstlern, die mit ihren bildnerischen Positionen das schon oftmals propagierte Ende der Malerei widerlegen, und sie nimmt im derzeitigen Revival der Malerei eine eigenständige Haltung ein. 

 

Von Monika Ratering, die ihren Weg zur Kunst über das Studium für Malerei an der Hochschule für Künste in Bremen gegangen ist und bereits in Berlin und Moskau ausgestellt hat, möchte man nach dem gelungenen Debüt in der Heimatstadt künftig auf alle Fälle mehr sehen.

 

Grafschafter Nachrichten, 19. Mai 2003